Die Chroniken eines Weihnachtsverweigerers

Dienstag, 12. Dezember 2017


1. Dezember- Heute liegt Schnee. Schnee! Ich bin nicht bereit für Verspätungen der Deutschen Bahn, Eiskratzen und Ausrutschen. Ich finde noch nicht einmal meine Handschuhe wieder. Ich bin nicht bereit für Weihnachten, nicht bereit für den Winter. Und das sage ich. Ja genau die Person, die euch vor 2 Jahren noch von ihrer Weihnachtsliebe berichtet hat und schon Mitte September anfing Vorbereitungen für das Fest zu treffen.

2. Dezember- Das mit der fehlenden Weihnachtsstimmung muss sich ändern. Ich will Weihnachten nicht boykottieren. Ich will mich reinfühlen. Wie mit 4 Jahren als meine Eltern eine Glocke läuteten und ich mit funkelnden Augen die Treppe runtergerannt kam um die Geschenke, die das Christkind am 24. Dezember gebracht hat, endlich auszupacken. Ich will Plätzchen naschen, Tee trinken und dabei dieses Weihnachtsgefühl haben.
Ich erkenn mich, den sonst so eifrigen Weihnachtswicht einfach nicht wieder.

3. Dezember- Ich habe einen Entschluss gefasst. Ich muss einschreiten. Ab jetzt heißt es für mich: Volle Dosis Weihnachten!

4. Dezember- Okay. Vor meinem inneren Auge, ein riesiges Mindmap. Meine Art zu denken. Komischerweise ist das erste, was mir einfällt einfach mal eine Kerze anzuzünden. Ein Schein einer Kerze stimmt einen doch sicher direkt sinnlicher und friedlicher. Doch in mir: Nichts. Ich starre auf den kleinen Schein des Teelichts. Kerzen sind für mich aber halt auch irgendwie Everyday- Business. Sogar im Sommer brennt die Vanillen-Duftkerze auf meiner Bilderrahmenleiste über meinem Bett. Das ist zwar gemütlich, aber nicht unbedingt weihnachtlich.
Heute Abend gehe ich auf den Weihnachtsmarkt und hoffe, dass die feierliche Stimmung und die ganzen typischen Weihnachtsaktionen auf mich abfärben

5. Dezember- Gestern war.. lustig. Betrunkene Glllüüühhhlein-Trinker umgaben mich, kleine Kinder mit großen Nusstüten rannten um den Weihnachtsbaum und vor allem war es einfach nur scheiße kalt. Um 9 Uhr war die Party dann auch schon vorbei und wir machten uns auf den Weg nach hause.
Heute wird gebacken! Mit Plätzchen kriegt man mich eigentlich immer- auch in meiner momentanen Stimmungslage.

6. Dezember- Das Projekt Backen erkläre ich hiermit als offiziell gescheitert. Ich bin schon ohnehin kein geborener Bäcker und mit unserem neuen Backofen komm ich einfach überhaupt nicht klar. Das Ergebnis: Asche mit Streusel. Bravo, Linda! Also, ab zu Aldi um Lebkuchen zu holen.
Außerdem ist Nikolaustag. Was früher zusammen mit dem ersten Öffnen meines Playmobiladventskalender das schönste Ereignis an Weihnachten war, ist heute leider sehr entzaubert. Ich warte nicht mehr auf den Nikolaus, sondern hoffe eher, dass ich vor dem Schlägertypen Knecht Ruprecht verschont bleibe.


7. Dezember- Ich dreh durch, denn ich habe immer noch keine richtige Idee, was ich verschenken könnte und raste schon bei dem Gedanken an überfüllte Geschäfte aus, während mich Lautsprecher mit kitschiger Weihnachtsmusik beschallen. Mein Plan für heute: Basteln. Vor mir liegen Glitzerstifte, Weihnachtskarten und jede Menge graues Engelshaar. Dieser Anblick löst in meinem sonst so kunstbegeistertem Hirn wirklich keine Kreativität aus. Zwei Stunden später habe ich 100 Gramm Glitzerpulver an meinem Pullover hängen und räume die Weihnachtskarten beschämt zurück in die Schubladen. Gerade wurde ich gefragt, ob ich

8.Dezember- Gerade habe höre ich  last Christmas und dekoriere mein Zimmer mit Tannenzweigen. Beides will nicht so richtig zu mir passen. Ich sollte auf die Weihnachts-cd des Thomaner Kinderchores setzten und diese Fakeweihnachtslieder von Mareike Carey, Ariana gar nicht so Grande und wie sie alle heißen von meiner Playlist verbannen, denn all das verursacht nur eines bei mir- Ohrenkrebs. All I want for Christmas is keine kitschige Weihnachtsmusik- whaam!

9. Dezember- Ich tippe diese Zeilen aus dem Zug, auf dem Weg nach hause. Ich war gerade Weihnachtsgeschenke kaufen. Die Kaufhäuser gleichen einer Massenpanik auf der Loveparade und nervige Verkäuferinnen bei Karstadt versuchten mir Socken für alle meine Verwandten aufzuschwatzen. Opa darf sich jetzt schon mal freuen, auf das 50. Paar schwarze Socken. Garantiert lochresistent.

10. Dezember- Aktueller Dekostand in meinem Zimmer: Die 24 Grad in meinem beheiztem Zimmer bewirkten schneller als erwartet, dass die Tannenzweige nun an traurigem Haarausfall leiden. Ja geil. Nun schneit es auch in meinem Zimmer. Und zwar Nadeln. Ja geil.

11. Dezember- Keines der Weihnachtsaktionen hat gefruchtet. Weder Schöntrinken mit literweise Glühwein, noch der Konsumrausch beim Weihnachtsshopping hat etwas an meiner Haltung a la Scrooge ändern können.
Heute ist mein Geburtstag und ich bin immer noch nicht im richtigen Feeling. So langsam verliere ich den Glauben daran, dass das mit der Weihnachtsstimmung noch klappen kann.

12. Dezember- Gestern wurde mir eine Sache klar. Nämlich dann, als ich und meine Familie um den Tisch saßen und gegessen haben. Als wir dabei den Adventskranz anzündeten und die Flamme der Kerze auf mich überschwappte. Da wurde mir klar, dass es nicht um den perfekten Weihnachtsbaum, nicht um Geschenke, Plätzchen oder banale Weihnachtsaktionen geht. Der Soundtrack spielt keine Rolle, der Film ist egal. Weihnachten ist, wenn die Family zusammensitzt, erzählt, lacht, isst und trinkt. Weihnachten ist, wenn alle beisammen sind. So wie gestern. Das ist feierlich- das ist heimelig- das ist Weihnachten! Und plötzlich, kann ich es nicht mehr abwarten. Ich fühle mich wie mit 4 Jahren, als ich mit funkelnden Augen die Treppe runtergerannt kam um die Geschenke, die das Christkind am 24. Dezember gebracht hat, endlich auszupacken.
Mein Projekt ist Schwachsinn, der Weihnachtswahnsinn ist Schwachsinn. Noch 12 Tage bis Weihnachten und ich lehne mich zurück. Alles wird schon gut. Und besonders der Heilige Abend.
Der Countdown bis Weihnachten beginnt.



Kommentare

  1. WOW, der Post gefällt mir so so so gut! Er ist super gut geschrieben. Du hast es geschafft sogar mich, in dem verhältnismäßig sonnigen Rom weihnachtlich zu stimmen.

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  2. Wundervoller Text, liebe Linda, wirklich!
    Ich freue mich jetzt umso mehr, bald nach Hause zu meiner Familie zu fahren, driving home for christmas quasi, denn du hast so Recht: dieses warme, weihnachtliche Glücksgefühl kommt nur auf, wenn man mit seinen Liebsten zusammen ist.
    Hab noch weiterhin eine magische, wunderbare Weihnachtszeit! Ich hoffe dein Weihnachtsbaum hat bis zum 24. nicht alle seine Nadeln verloren!
    xx
    Pia
    vielleicht wird alles vielleichter

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  3. bei deinem schreibstil möchte man immer weiter und weiter und weiter lesen! mir gehts aber weihnachtstechnisch wie dir: so richtig in weihnachtsstimmung komm ich nicht, vor allem nicht bei dem matschwetter..

    liebste grüße, laura von
    http://dthreeasixyfives.blogspot.de

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