Ich sehe mich, aber nichts in mir

Donnerstag, 11. Januar 2018



Wertlos. Nutzlos. Ich hasse mich.
Eine Träne läuft mir über die Wange und tausende weitere folgen. Es scheint nie wieder aufhören zu wollen. Ein Tränenmeer und ich bin schon längst über Bord gegangen. Fast am Ertrinken. Genauso wie gestern. Wie Morgen. Und den Rest der Woche. Wenn das Haus verlassen ist, der Kopf leer und ich in mich gekehrt. Schmerzerfüllte Schreie.
Ich wische sie nicht weg- die Tränen, denn ich will es fühlen. Mich schwach sehen. Und die Wut in meinen Augen. Auf mich, Linda, dreizehn Jahre alt.
Ich sehe in den Badezimmerpiegel.
Ich sehe mich, aber nichts in mir.
Mein gesamtes Umfeld kannte mich als selbstbewussten Menschen. Ich hatte nie Probleme laut meine Meinung zu vertreten oder vor einer Masse zu sprechen. Ich hatte gute Freunde und war auch sonst recht beliebt. Doch manchmal übermannten mich sogar in der Öffentlichkeit die Gefühle.
Eine Träne lief mir über die Wange und tausende weitere folgten. Es schien nie wieder aufhören zu wollen. Das Tränenmeer.
Und ich versuchte mich noch über Wasser zu halten
Ich fand mich weder besonders talentiert, noch hübsch, charakterstark oder sonderlich klug.
Ich mochte nichts an mir. Nicht meinen Körper. Meine Gedanken, meine Schulnoten, die schlaksigen Arme, meine unrealistischen Sehnsüchte und die krumme Nase, mitten in meinem unschönen Gesicht. Ich wollte immer wie die Anderen sein.
Keiner hat mich verstanden. Noch nicht einmal ich selbst. Schon gar nicht ich selbst, konnte einfach nicht anfangen mich selbst zu lieben.

Liebe. Liebe gehört den Helden.
Ich bin kein Held, sagte ich mir. Ich bin ein Versager.
Keiner liebt mich.
72Monate sind vergangen. 6 Jahre. Ich bin neunzehn. Erwachsen.
Ich sehe in den Spiegel und finde eine junge Frau vor mir mit schwarzen kurzen Haaren und viel zu erzählen. Mit Herzblut. Selbstvertrauen. Selbstliebe. Ich sehe ein Mädchen mit Ideen, mit großen Vorstellungen. Mit Hoffnung. Und vor allem sehe ich ihre funkelnden grünen Augen, die nur eines bedeuten können: Glück.
Ich bin mir wichtig. Ich mag mich. Mit der Zeit habe ich gelernt einfach ich zu sein und mein Glück an oberste Stelle zu setzten. Ich orientiere mich nicht an meinem Umfeld oder anderen, die vielleicht klüger, vielleicht hübscher oder vielleicht talentierter sind als ich selbst. Natürlich gelingt das nicht ausnahmslos, aber doch oft. Ich halte selbst meine Messlatte und handle selten aus Leistungsdruck.
Ich orientiere mich an meinen Vorstellungen und folge meiner Intuition, die mittlerweile mein bester Freund geworden ist.
Ich bin stark. Ich habe ein dickes Fell bekommen. Ich kann einstecken. Ich habe Spaß am Alltag. Denn der Alltag ist das Leben. Der Alltag macht einen Großteil unseres Lebens aus. Der Alltag ist das leben und darauf kommt es am Ende an. Man muss sich Ziele setzten. Lächeln. Sich selbst die Hand reichen. Sich selbst den Frieden anbieten.
Darin liegt der Neubeginn.

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